Target2, das Verrechnungssystems für den Zahlungsverkehr innerhalb von Europa, kann, insbesondere für Deutschland und damit in Verbindung stehend für die deutschen Steuerzahler zu einer großen Gefahr werden.
Der Grundgedanke des Target2-Konzeptes ist es, Überweisungen innerhalb von Europa nicht mehr mit dem realen Transfer echten Geldes zu verbinden, sondern vielmehr ein virtuelles Verrechnungssystem zu etablieren. Die Europäische Zentralbank dient hierbei als Verrechnungsstelle. Weist beispielsweise ein griechischer Bürger bei seiner Hausbank eine Überweisung an, deren Betrag auf einem deutschen Konto gutgeschrieben werden soll, so übermittelt die Hausbank das Geld an die griechische Notenbank. Ab diesem Zeitpunkt ist der eigentliche reale Geldtransfer abgeschlossen. Die griechische Notebank beauftragt die EZB nun mit der Weitergabe der Überweisung. Ohne Geld erhalten zu haben, leitet die EZB den Auftrag an die jeweilige Nationalbank weiter, in diesem Fall die deutsche Bundesbank, ohne an diese Geld zu übermitteln. Diese überweist nun das Geld an die jeweilige Hausbank des Zahlungsempfängers, bei welcher das Geld auf dem Konto gutgeschrieben wird.
Da die griechische Nationalbank kein Geld eingezahlt hat, entsteht eine Verbindlichkeit gegenüber der EZB (negativer Target-Saldo), für die deutsche Nationalbank eine Forderung an ebendiese (positiver Target-Saldo), jeweils auf den lautenden Überweisungsbetrag.
Ein solches System ist alles andere als unsinnig, zumal unnötige Geldtransfers vermieden werden und ebendies ökonomische Vorteile mit sich bringen kann. Der Nachteil liegt in dem Fehlen eines Ausgleichsmechanismuses begründet. Das Verrechnungssystem der amerikanischen Notenbank (FED) ähnelt dem des Target2, wobei eine ganz entscheidene und wichtige Abweichung besteht. Die an der FED angeschlossenen Notenbanken mit einem negativen Saldo, also jene, die mehr Geld zur Auszahlung angewiesen haben, als zur Einzahlung zugesichert, müssen an diejenigen gesicherte Staatsanleihen übertragen, die einen positiven Saldo aufweisen – und dies kontinuierlich, jeweils im April eines Jahres. In Europa besteht ein solcher Mechanismus nicht.
Die Forderung der Bundesbank durch das Target2-System beläuft sich mitlerweile auf mehr als 644 Milliarden Euro (30. April 2012), Tendenz steigend. Griechenland hingegen, das im Gegensatz zu Deutschland einen negativen Target-Saldo aufweist, hat Verbindlichkeiten in Höhe von 104 Milliarden Euro zu begleichen. Würde Griechenland die Euro-Zone verlassen, so ist die Abschreibung der Forderungen aus Sicht der EZB wahrscheinlich. Gemessen an dem EZB-Kapitalanteil in Höhe von 27 %, müsste Deutschland für ca. 28 Milliarden Euro einstehen.
Die Aussicht in anderen Staaten ist keine bessere. Die Target2-Verbindlichkeiten Spaniens stiegen zuletzt um 65 Milliarden auf 276 Milliarden Euro – und das wohlgemerkt innerhalb eines Monats.
Forderungen der Bundesbank aus Target2
Target-Salden anderer Euro-Staaten
